Monatsspruch Juli
So bekehre dich nun zu deinem Gott, halte fest an Barmherzigkeit und Recht und hoffe stets auf deinem Gott!
Hos. 12,7
Der Teil des Monatsspruches nach dem Komma gibt einen ganz passablen Konfirmationsspruch ab. Das Weltliche und das Religiöse stehen scheinbar abgewogen nebeneinander. Ein guter Spruch für eine guten Christen in guten Zeiten? Wenn man die vorhergehenden Verse liest ist man bestürzt. Mit den Worten "Halte fest an Barmherzigkeit und Recht..." hat Gott einmal darum geworben, dass sein Volk barmherzig ist gegenüber den Armen und Schwachen in seiner Mitte. So hat Gott geredet, als er noch hoffte, das Volk von Willkür und Unrecht freizumachen, und dass es die Gebote ernster nimmt als den eigenen Profit. So hat er geredet, als er darauf wartete, dass das Volk sich von allen falschen Hoffnungen abwenden sollte und sich wieder ihm zuwenden sollte. So liebevoll hat Gott um sein Volk geworben. Aber nun redet er anders. Es stehen Worte da, wie "Lüge, Betrug, Gewalttat, Vergeltung, Vernichtung". Der enttäuschte Liebhaber muss erkennen, dass alle seine Werbungen mit Hohn und Spott beantwortet werden. Ist das nicht auch in unserer Zeit so? Man behandelt den heiligen Gott, wie einen vergesslichen alten Opa. Was kümmert einen noch seine Gebote. Die waren mal was für die alten Zeiten. Was in die moderne Zeit passt wird noch scheinheilig zitiert. Das andere wird den neuen Bedürfnissen und Sichtweisen angepasst.
Es gibt Zeiten, in denen Gott seine Gemeinde, die auf ihn hofft, tröstet. Es gibt Zeiten, in denen Gott mit denen, die seinen Namen ständig gebrauchen, aber in Wirklichkeit ihre eigene Person anbeten, hart ins Gericht gehen muss. Denn Gott ist fest entschlossen, uns zurechtzubringen. Die Zurechtweisung durch einen väterlich, gütigen Gott ist eine Wohltat. So eine Zurechtweisung ist unser Monatsspruch. Gott ist kein Gott, der alles duldet, schon immer mal ein Auge zudrückt, wenn wir wieder mal einen Kompromiss beanspruchen. Für Gott sind Tun und Glauben, Nächstenliebe und Gottesliebe untrennbar verbunden. Und das in jedem Bereich unseres Lebens. Und Gott will der Bezugspunkt in unserem Leben sein. Oder wir hätten es nicht mit einem lebendigen Gott zu tun. "Hoffe auf Gott" wird in alten Bibeln auch mit "Harre auf Gott" übersetzt. In dem hebräischen Wort für "Harren" steckt das Wort "Schnur". Gespannt, wie durch eine Schnur, sei unser Blick an Gott geheftet. Jeden Augenblick, jeden Tag nicht nur in Zeiten der Todesnot und besonderer Entscheidungen sollen wir gespannt sein, was Gott mit uns vorhat. Unsere Mitmenschen brauchen Christen, die angespannt auf ihren Herrn harren. Das heißt aber: Indem sie alles von ihm erwarten, treten sie dafür ein, das der Nächste, mag er sein und aussehen wie er will, jene Barmherzigkeit und jenes Recht erhält, die es ihm leichter machen, an Gottes Güte zu glauben.
Christian Fleischer
